Freiheit

Predigt am 23. Juli 2017 im Gottesdienst auf dem Bauernhof Kleimann

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit – ich habe in meinem Urlaub reichlich davon spüren können:

Mit dem Motorrad geschmeidig über die Alpenstraßen unterwegs, am Timmelsjoch und der Silvretta bei offenem Visier den Duft der Alpengräser in der Nase, geschmeidig über den Jaufenpass und das Hahntennjoch schwingen, die hohen Berge direkt neben dir und den weiten Himmel über dir. „Freiheit hat 2 Räder“ hat jemand gesagt.

Spürt ihr nicht auch etwas von dieser Weite, dieser Freiheit, heute Morgen?
Wie wir alle hier versammelt sind – aus unseren drei Gemeindebezirken alle zusammengekommen, keine Grenzen, die uns trennen, gemeinsamer Gottesdienst für alle und mit allen, hier auf dem offenen Land, auf der Deele, wo die Schwalben ein und aus fliegen und uns so die Weite Gottes verkündigen, wo das Muh und das Mäh zusammen mit dem Posaunenklang und unseren Liedern Gott loben will.

Freiheit.

Manch einer hat jetzt Urlaub, frei von den Pflichten des Berufes, frei vom Rumgemäkel des Chefs, frei von Lehrern, von der Angst vor der nächsten Klausur, raus aus dem engen Korsett des Alltags, ich bin so frei!

Und vielleicht streift dich ja ein Gedanke an Gott und du entdeckst: Das ist ja sein Geschenk! Diese freie Zeit, dieser freie Tag. Ich darf ich sein, Frieden in mir und Lust aufs Leben, blicke auf, sehe den blauen Himmel und die Schäfchenwölkchen, rieche den Sommer und spüre den Wind auf meiner Haut.

Freiheit hautnah.

„Alles ist mir erlaubt!“ schreibt Paulus. Und er meint das auch so. Für jeden von uns Christenleuten. Wer zu Christus gehört, hört: „Ich habe dich erlöst, du gehörst zu mir!“ Also: Kein Staat hat ein Recht auf dein Leben! Kein Trend, keine Meinung (nicht die der Freundin und nicht die des Pastors) haben ein Recht darauf, dass du dich widerspruchslos anpasst! Keine Menschen, keine Konventionen, keine sogenannten ehernen Gesetzmäßigkeiten sollen wir als Herren über uns zulassen! „Alles ist mir erlaubt.“

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!“

Es war wie so oft. Auf einer meiner Motorradtouren machte ich eine Pause in einem kleinen Dorf. Ein Tässchen Kaffee, ein beschaulicher Blick auf das wunderschöne Bergpanorama. Plötzlich ein Höllenlärm! Acht, zehn, zwölf Motorräder, gefühlt jedes zweite ohne Schalldämpfer im Auspuffrohr, donnern vorbei. Und das dann immer wieder.

„Alles ist mir erlaubt“?? „Ich bin so frei“?? Ich glaube nicht, dass die Leute aus dem kleinen Bergdorf diese Art von Freiheit besonders gut finden…

So ist das. Mein Freiheitsdrang stößt mit dem Leben von anderen zusammen. Meine Freizügigkeit beschränkt das Leben anderer.

  • Shopping am Sonntag – und andere müssen für mich arbeiten. Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • „Freie Fahrt für freie Bürger“ – bis es kracht und sich dann alle scheinheilig fragen, wie das nur passieren konnte.          Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • Surfen im unbegrenzten Internet und Bilder gucken, die aus dem Leiden anderer geschaffen wurden. Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • Gehässige Machtspielchen: andere demütigen und schlechtmachen, damit ich selbst umso großartiger aussehe. Klar, die Freiheit nehm ich mir.

Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, was solche Freizügigkeit mit ihm selber macht? Wie es ihn gerade zu einem Sklaven deformiert, gefesselt an seine Wünsche, Triebe und an seine Boshaftigkeit?

Ich halte Jesus für den freiesten Menschen, der je auf Gottes Erde gewandert ist. Vollständig ungebunden an Menschen und Dinge. Aber total verbunden mit Gott. Er war so unglaublich frei, dass er sich an Menschen band, sich mit ihren Schicksalen verband.

Jesus war so frei – sich mit Leuten abzugeben, die sowas von out waren…

Jesus war so frei – Frauen ernst zu nehmen, auch wenn die Gerüchteküche deswegen bis heute brodelt.

Jesus war so frei – sich verhaften zu lassen, statt in die Freiheit zu fliehen

Jesus war so frei  – sich bespucken und demütigen zu lassen

Jesus war so frei – den Tod auf sich zu nehmen, obwohl er hätte leben können.

Die 9-jährige Stina hat mich gefragt, was für mich Freiheit ist. Ich habe lange überlegt – und Martin Luthers Doppelsatz hat mir dabei zur Seite gestanden. Dann habe ich ihr geantwortet:
„Freiheit ist, wenn ich keine Angst mehr habe – vor niemandem und vor nichts. Frei bin ich, wenn ich von dem, was ich habe, abgeben kann, ohne das Gefühl zu haben, dass ich dabei etwas verliere. Frei bin ich, wenn ich einen Menschen annehmen kann, auch wenn er garstig zu mir ist. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit ist, wenn ich keine Freiheit brauche, um frei zu sein.“ (Nelson Mandela empfand sich in den 27 Jahren, die er im Gefängnis verbringen musste, freier als seine Richter, die ihn dorthin geschafft hatten – ebenso Paulus im Gefängnis). Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit ist auch, dass ich zu Gott kommen kann. Freiwillig. Gott will mich berühren, mich einladen, zu entdecken, wie gut es mir bei ihm gehen wird. Aber er wird mich nie dazu zwingen, ihm zu vertrauen. Doch ist es schön z.B. an jedem Morgen, für eine Viertelstunde einmal niemand anderem zu gehören als ihm, in der Stille, im Beten, im Hören.

„Freiheit ist, wenn ich weiß, dass ich nichts tun und nichts zu besitzen brauche, um etwas wert zu sein. Wenn ich weiß, dass ich ohne all das wertvoll bin. Und ich weiß das, wenn ich geliebt werde. Wer geliebt wird und das weiß, der lebt in Freiheit“.

Liebe macht sowas von frei! Das haben die Menschen bei Jesus erlebt, diese Freiheit. Das haben Menschen von Jesus bekommen, diese Freiheit. Jesus ist Gottes Liebesbeweis. Er hat sich Freiheit nicht genommen, hat sie nicht jemandem gestohlen, wie wir Menschengeschwister das immer wieder tun. Nein, Jesus besaß sie einfach, in sich drin. Er hat denen die Freiheit gegeben, die sie nicht hatten: den Kranken und den Ausgestoßenen, den Betrügern und den Besserwissern, den Kleinganoven und denen, die auf dem Strich gehen. Am Kreuz  ist er „dienstbarer Knecht“ für uns alle geworden. Das ist die größte Freiheit.

Und auf seinem Weg mit uns nimmt er uns in diese Freiheit hinein wie ein Bergführer, der den Weg kennt. Ich brauche ihm nur zu folgen.

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Eine kleine Geschichte als Gleichnis zum Schluss:

Ich beobachtete die beiden Bergsteiger, die schon seit geraumer Zeit gewissenhaft und bedächtig ihre Ausrüstung überprüften. Jeder Griff saß, und ich hatte das Gefühl, dass dies für beide zwar Routine war, ihnen jedoch Freude bereitete. Sie prüften Karabiner, knoteten Seile, hängten Ausrüstungsgegenstände an ihre Gürtel und zurrten ihre Körpergurte fest – jeder für sich. Zu guter Letzt hängten sich beide ein langes, schweres Seil um, mit dem sie beide verbunden waren. „Entschuldigen Sie!“, fragte ich einen der beiden Bergsteiger: „Fühlen Sie sich frei?“ „Frei? – Wie meinen Sie das?“ „Ich meine : frei – sich ungehindert bewegen zu können. Frei – das Leben zu genießen. Frei – um schnell vorwärts zu kommen. Ich meine: Frei! Nicht gegenseitig verknotet, zusammengebunden, und eine schwere Last tragen zu müssen!“ Der eine Bergsteiger blickte den anderen an, und seine Antwort, so kam es mir vor, war die Antwort beider. „Wissen Sie“, sagte er, „ da wollen wir hinauf!“ Wir wollen einen besonderen Weg gehen, und wir möchten beide neue Horizonte sehen! Knoten, die fest sitzen, Karabiner, die halten und Gurte, die belastbar sind, haben wir uns sorgfältig gemeinsam ausgesucht. Genauso wie die Länge und das mögliche Gewicht des Seiles,mit dem wir beide in ebenem Gelände locker, aber wenn es darauf ankommt, sicher verbunden sind. Wenn Klippen zu überwinden sind, wenn Abgründe drohen, wenn wir in steiler Wand hängen. Das Seil erst lässt uns Wege gehen, die wir uns alleine nicht zutrauen würden, die wir alleine nie genießen könnten. Erst das Wissen um unsere sichere und feste Verbindung macht uns frei!“

 „Fürchte dich nicht, spricht Gott, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

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2 Gedanken zu „Freiheit

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