Mit der FJR 1300 in den Alpen

Die Krönung jeglichen Motorradfahrens liegt – nicht nur meiner Erfahrung nach – auf den Bergstraßen der Alpen. In diesem Sommer genieße ich das wieder in großen Zügen.

Hier folgen ein paar Bilder aus dem, was ich er-fahren durfte:

 

Das Timmelsjoch

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Auf dem Jaufenpass

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Am Reschensee          (auf einer Fahrt über Österreich, Italien und die Schweiz)

Reschensee

 

Auf der Silvretta-Hochalpenstraße

Silvretta

 

Auf der Fahrt um den Großglockner / Großglockner-Hochalpenstraße

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Einfach WUNDERBAR!

 

 

 

 

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Oster-Körper

„Sag – wie sieht man eigentlich im Himmel aus?“

fragte der Junge passend zum Ostertag, an dem er mit seiner Patentante zusammentraf.

„Nun“, die Patentante wollte eine möglichst biblisch fundierte Antwort geben, „da werden wir einen neuen Körper haben. Weißt Du, als Jesus auferstanden war, da hat ihn Maria erst gar nicht erkannt. Sie hielt ihn für einen Gärtner.“

„Cool“, sagte der Junge, „darauf freu ich mich. Ich wollte schon immer Gärtner werden!“

Die Neue …

So neu ist sie eigentlich gar nicht. Seit 5 Monaten macht sie mich schon glücklich. Aber jetzt bin ich so richtig mit ihr vertraut und freue mich, meinen Urlaub in den Alpen mit ihr zu verbringen.

Voilá:

Meine Neue!

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Ihr Name:
Yamaha FJR 1300

Ihr Geburtsjahr: 2006

Ihre Leistung: 144 PS bei 7.500 U/min

Besonderheiten: ABS, elektrisch verstellbare Scheibe, Heizgriffe, Kardanantrieb

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Perfektes Handling trotz ca. 270 Kg Gewicht, das ideale Bike für gemeinsame Touren mit meiner Frau in den Alpen. Noch einmal die alten Strecken nachfahren: Kaunertaler Gletscherstraße, Timmelsjoch, Jaufenpass, Kühtai, Silvretta Hochalpenstraße

Und dann die neuen: Stilfser Joch, Großglocknerhochalpenstraße, Richtung Davos und Bormio.

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Einfach genial, die Neue!

Es lebe das LEBEN, ich liebe das LEBEN!

Beten – Loslassen

Jemand schenkte mir ein Buch über das Beten.

Auf dem Cover des Buches war – aus der Vogelperspektive – ein Betender zu erkennen. Seine Hände lagen geöffnet mit den Handrücken auf seinen Knien. Ich habe das genauso probiert.

Nach einer Minute tat mein Handgelenk weh. Nach drei Minuten beendete ich diese Haltung. Meine Hände formten sich automatisch zu einer Faust.

Ich sah: jemanden, der seine Dinge im Griff haben will. Doch: was ist das für ein Beten, wo ich selber meine Dinge im Griff halten will? –

Wir haben gerne das, was wir unser Leben nennen, im Griff. Den Tag und die Nacht. Unsere Entscheidungen. Unsere Pläne sollen aufgehen. Die Weichen, die wir – vielleicht unter vielen Mühen! – gestellt haben, sollen unsere Wege garantieren.

Intuitiv möchten wir auch das unter Kontrolle haben, was außerhalb unserer Möglichkeiten liegt: Vom Wetter über die Gesundheit bis hin zu den Entscheidungen anderer, vor allem, wenn diese uns persönlich betreffen.

Wenn es nicht so kommt wie gewollt, wenn wir entdecken müssen, wie hilflos wir sind, sind wir getroffen: Im harmlosesten Fall schütteln wir den Kopf, eventuell ärgern wir uns auch. Aber wenn es uns ganz schlimm getroffen hat, sind die Schmerzen schier unerträglich. ‚Warum hat sie mir so weh getan?‘ ‚Wie konnte er mir das antun?‘

Wenn es aus dem Hinterhalt kommt, wenn wir nicht vorbereitet sind, wenn das Leben, wie wir es kannten und wünschten, explodiert, implodiert, zerfällt, wenn es stirbt wie in einer Hinrichtung…

Kann es auferstehen?

Wenn – dann nicht so wie es war. Aber eben das ist uns fremd, eben das macht uns Angst, eben das können wir uns nicht vorstellen, wollen es darum vielleicht um keinen Preis. Wir halten dann sogar unseren Schmerz fest, weil er vielleicht das Einzige ist, das uns mit unserem alten vertrauten Leben verbindet. Das Warten und das Hoffen auf das Neue, das Zweifeln und das Bangen und der alte Schmerz, sie sind manchmal so schwer zu tragen.

Irgendwann begann ich, in mir aufzunehmen, dass dies mit den geöffneten Händen gemeint ist. Wenn ich bete, greife ich nicht zu, ich halte nicht fest, ich beginne loszulassen, ich lasse mich fallen: „Ich aber, HERR, hoffe auf dich!“ (Psalm 31,15) Auferstehung zu einem neuen und anderen Leben.

Ich weiß nicht, wie lange es bei dir dauert, es mag länger dauern wie bei mir, aber die Hoffnung lässt sich irgendwann nicht mehr vertreiben.

So bin ich aus tiefdunklen Zeiten „auferstanden“ zu einem anderen Leben. Klarer, beherzter und etwas weniger verwundbar.

„Ich aber, HERR, hoffe auf dich, du bist mein Gott!“

P.S.: Ich habe gerade in einem kleinen Laden in Limveg (Dänemark) ein Schild gesehen mit einer Aussage, die den Schmerz nicht ignorieren will, aber auf eine Perspektive hinweist, die der Schmerz allein nicht sehen kann:

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Kinder-Kirche

Predigt am 27.8.2017

„Ich habe nichts gegen den lieben Gott“, stellte mein Gegenüber fest. „Aber sein Bodenpersonal, die Kirche, lässt doch sehr zu wünschen übrig!“

Die Kirche – wen genau meinte er damit? Seinen Worten entnahm ich, es seien wohl in erster Linie wir Talarträger, aber nicht alle. Dazu irgendwie auch die Kirchliche Verwaltung und die Kirchenjuristen, und von dem Ärgernis der Kirchensteuer drang etwas an mein Ohr, obwohl, natürlich, die Kirche auch Geld brauche, na und schließlich auch „irgendwie“ die Gottesdienste. „Irgendwie“ Kirche.

„Denn es weiß, gottlob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei“. Beneidenswerte Kinder. Sie wissen also, was Kirche ist. Behauptet Luther. Im Unterschied zu meinem Gesprächspartner, bei dem alles – reichlich nebulös – nur „irgendwie“ mit Kirche zu tun hatte.

Ich gestehe, nun war ich neugierig geworden, wie das mit den Kindern und ihrem Wissen über Kirche ist. Und als Mats und Jan Ole wegen irgendwas anderem an meiner Haustür schellten, bat ich sie von der Straße direkt in mein Dienstzimmer und befragte sie.Die hatten ziemlich klare Vorstellungen davon, was Kirche ist. Weil sie aber schon elf waren, vermittelten sie mir ein Gespräch mit Vicky, Theresa und Ida, die sind sieben! (Und Max musste erstmal zuhören, weil er schon acht ist!)  :))

Was wissen denn Siebenjährige von der Kirche? Hört selbst, was die drei Mädels sagten:

  • „Die Kirche ist Gottes Haus.
  • Da sind viele Bänke drin für viele Leute, die feiern da Gottesdienst. Gottesdienst ist für alle Leute, für die jungen und für die alten. Gottesdienst macht Spaß.
  • Bei der Kirche waren wir schon im Kinderbibelfrühstück.
  • Das Krippenspiel zu Weihnachten gehört auch dazu.
  • Eigentlich gibt es viele Veranstaltungen in der Kirche, die Spaß machen!
  • Da kann man was lernen und viele tolle Sachen erleben.“

„Denn es weiß, gottlob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei“, schreibt Luther und fügt hinzu: „nämlich die heiligen Gläubigen und ‚die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören‘ (Johannes 10,3)“. Und da haben wir schon die Mitte von allem,die das Ganze, was wir Kirche nennen, zusammenhält: Die Stimme des Hirten. Jesus Christus. Und dass wir sie hören. Und hören heißt nicht hören, wie wir irgendein Geräusch aus dem Bad oder von der Straße hören, sondern hören heißt: aufmerksam zuhören und der Stimme folgen, was sie uns sagt und wohin sie uns führt.

Das nämlich haben diese von uns Menschen oft veralberten Herdentiere uns voraus:
Sie wissen, auf welche Stimme sie hören müssen, um auf der sicheren Seite zu sein. Sie wissen: wohin der Hirte sie führt, ist gute Weide, da ist das Leben ein erfülltes Leben.

Ich habe den Kindern dann ein Bild gezeigt. Eines von diesen – in meinen Augen – kitschigen Bildern aus dem 19. Jahrhundert, wie sie früher im Schlafzimmer über den Betten meiner Großeltern hingen: Ein Hirte mit einem Schäfchen auf dem Arm und weiteren Schafen um sich herum. Die Kinder fanden das Bild überhaupt nicht kitschig, sondern bestätigten, dass Jesus so sei: Liebevoll und ein Helfer für jeden von uns, für die Großen und die Kleinen, die Alten und die Jungen, und dass ohne Jesus die Kirche nicht Kirche sei. Und dass es gut sei, zu Jesus zu gehören.

„Denn es weiß, gottlob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei“, schreibt Martin Luther. Die Erwachsenen damals, als Luther diese Worte schrieb, waren sich schon lange nicht mehr einig darüber, was denn die Kirche sei. Bereits im nächsten Satz wettert der erboste Reformator gegen die platten Chorhemden, die langen Röcke und allerlei Zeremonien, die über die Bibel hinaus erdichtet seien.

Im Unterricht frage ich meine Konfis, auf was die Kirche verzichten kann und auf was die Kirche nicht verzichten darf, wenn sie weiterhin Kirche sein will. Und dann beginnt durch die Konfis das große Aufräumen: Kirchengebäude? – brauchen wir nicht, man kann auch anderswo Gottesdienst feiern. In einem Haus, in einer Scheune. Orgelspieler? – kann weg, singen geht auch ohne Instrument. Gemeindehaus? – schön, wenn man eins hat, aber nicht notwendig, um Kirche zu sein. Konfirmation? – schade um die Feier und das Geld, aber notwendig, nein notwendig für Kirche sei die Konfirmation nicht. Selbst den Pastor warfen sie nach – erschreckend! – kurzer Diskussion raus: wichtiger sei die Bibel, und in der könnte ja jeder lesen.

Und was bleibt übrig? Was macht das Leben in Kirche aus? Die Konfis sagen: Zusammen kommen, Gemeinde sein, die Bibel, in der Bibel von Gott lesen und hören, beten, taufen. Vor allem aber der Glaube an Jesus. Wenn eines davon aufgegeben wird, ist die Kirche nicht mehr Kirche. So lautet das abschließende Statement meiner Konfis.

Wer oder was ist die Kirche? Wir neigen dazu, Grenzen zu ziehen, auch in der Kirche. Wer dazu gehört und wer nicht. Wer anders glaubt als wir, gehört er zur Kirche? Wer Homosexualität nicht für Sünde hält, sondern an die Liebe – egal in welcher Weise – glaubt, gehört der zur Kirche? Wer die Tradition wertschätzt und erhalten will, gehört der zur Kirche? Wer aus der Körperschaft öffentlichen Rechts „Kirche“ ausgetreten ist, gehört der noch zur Kirche? Wer anständig lebt, gehört der zur Kirche? Wessen Weste seit Jahren nicht mehr weiß ist, gehört der zu Kirche?  Und … und … und …

Wir erkennen jetzt vielleicht und hoffentlich, dass unsere Maßstäbe uns letztlich nicht sagen können, wer die Kirche ist. Nicht nur Martin Luther sprach von der Kirche als von einem „corpus permixtum“, ein durchgemischter Leib – und da könnten Leute zugehören, die wir da nie erwartet hätten. Und umgekehrt…

Die Siebenjährigen interessierte diese Frage gar nicht. Sie unterschieden nicht, wer dazu gehören könnte und wer nicht. Sie finden einfach toll, „dass man da zusammen ist mit ganz vielen Leuten“ und „dass da ganz viele Leute sind, die zusammenhalten und zusammen arbeiten“. Die Kinder gehen einfach davon aus, dass Kirche da ist. Und Jesus mittendrin. Genau so, wie Martin Luther dann hinzufügt:
„Also beten die Kinder: ‚Ich glaube an eine heilige christliche Kirche'“.

Ich kannte einen engagierten christlichen Sozialarbeiter, ein klasse Typ. Aber wenn wir im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprachen und an die Stelle kamen, wo wir sagen: „Ich glaube an die heilige christliche Kirche“, da verstummte er regelmäßig. „Das kann ich nicht mitsprechen“, sagte er. „Ich habe so viel Scheiß in der Kirche erlebt, für mich ist die nicht heilig!“

Sind wir eine heilige Kirche?
Wenn es von uns abhinge, mit Sicherheit nicht!
Wir machen die Kirche nicht heilig! Aber wer denn dann?

Kurz zuvor bekennen wir ja im Glaubensbekenntnis „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Der macht die Kirche heilig. Und heilig – das ist nicht dasselbe wie ‚wohlanständig‘, fehlerlos und ohne Schuld.

„Heilig“ heißt alles, was zu Gott gehört, was sein ist. Wir werden wohl nie begreifen, was Gott an uns Menschen findet, aber für ihn sind wir seine Kinder. Geschwister seines Sohnes. Und der Heilige Geist wirkt immer und immer weiter daran, dass wir uns bewusst werden, dass wir wirklich Gottes Kinder, dass wir durch Gott heilig sind. Der Heilige Geist zieht uns und schiebt uns. Zärtlich und mächtig. Er liebt und lockt uns hinein in dieses wunderbare Geheimnis, dass wir heilige christliche Kirche sind: weltweit, ohne unsere Grenzen, egal welcher Bezirk, egal, welches Land, egal, welche Kultur, egal, welche Konfession, egal, welche Frömmigkeit.

Suchen sollen wir sie, die heilige christliche Kirche – weil sie schon da ist. Finden können wir sie, weil sie uns umgibt. Erfahren werden wir sie, wo wir durch die Kraft des Heiligen Geistes immer tiefer in sie hineinwachsen, weil wir dem Heiligen Geist vertrauen und aus Gottes inniger Liebe zu uns durch Christus leben und lieben.

„Darf ich dazu noch ein Lied vorsingen, dass ich aus dem Religionsunterricht kenne“, fragt am Ende meines Besuches Max, der es kaum noch aushält, still zu sein.

Und weil dieses Danklied  das ausdrückt, was uns auch Kirche sein lässt und als Christengemeinde erhält und uns verbindet, sage ich es Euch am Ende meiner Predigt:

„Gott dafür will ich dir Danke sagen, dass du in guten, in schlechten Tagen neben mir stehst und mit mir gehst, dich selbst mir gibst, weil du mich liebst, ohne zu fragen, mit meinem Lied will ich danke sagen.“

Freiheit

Predigt am 23. Juli 2017 im Gottesdienst auf dem Bauernhof Kleimann

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit – ich habe in meinem Urlaub reichlich davon spüren können:

Mit dem Motorrad geschmeidig über die Alpenstraßen unterwegs, am Timmelsjoch und der Silvretta bei offenem Visier den Duft der Alpengräser in der Nase, geschmeidig über den Jaufenpass und das Hahntennjoch schwingen, die hohen Berge direkt neben dir und den weiten Himmel über dir. „Freiheit hat 2 Räder“ hat jemand gesagt.

Spürt ihr nicht auch etwas von dieser Weite, dieser Freiheit, heute Morgen?
Wie wir alle hier versammelt sind – aus unseren drei Gemeindebezirken alle zusammengekommen, keine Grenzen, die uns trennen, gemeinsamer Gottesdienst für alle und mit allen, hier auf dem offenen Land, auf der Deele, wo die Schwalben ein und aus fliegen und uns so die Weite Gottes verkündigen, wo das Muh und das Mäh zusammen mit dem Posaunenklang und unseren Liedern Gott loben will.

Freiheit.

Manch einer hat jetzt Urlaub, frei von den Pflichten des Berufes, frei vom Rumgemäkel des Chefs, frei von Lehrern, von der Angst vor der nächsten Klausur, raus aus dem engen Korsett des Alltags, ich bin so frei!

Und vielleicht streift dich ja ein Gedanke an Gott und du entdeckst: Das ist ja sein Geschenk! Diese freie Zeit, dieser freie Tag. Ich darf ich sein, Frieden in mir und Lust aufs Leben, blicke auf, sehe den blauen Himmel und die Schäfchenwölkchen, rieche den Sommer und spüre den Wind auf meiner Haut.

Freiheit hautnah.

„Alles ist mir erlaubt!“ schreibt Paulus. Und er meint das auch so. Für jeden von uns Christenleuten. Wer zu Christus gehört, hört: „Ich habe dich erlöst, du gehörst zu mir!“ Also: Kein Staat hat ein Recht auf dein Leben! Kein Trend, keine Meinung (nicht die der Freundin und nicht die des Pastors) haben ein Recht darauf, dass du dich widerspruchslos anpasst! Keine Menschen, keine Konventionen, keine sogenannten ehernen Gesetzmäßigkeiten sollen wir als Herren über uns zulassen! „Alles ist mir erlaubt.“

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!“

Es war wie so oft. Auf einer meiner Motorradtouren machte ich eine Pause in einem kleinen Dorf. Ein Tässchen Kaffee, ein beschaulicher Blick auf das wunderschöne Bergpanorama. Plötzlich ein Höllenlärm! Acht, zehn, zwölf Motorräder, gefühlt jedes zweite ohne Schalldämpfer im Auspuffrohr, donnern vorbei. Und das dann immer wieder.

„Alles ist mir erlaubt“?? „Ich bin so frei“?? Ich glaube nicht, dass die Leute aus dem kleinen Bergdorf diese Art von Freiheit besonders gut finden…

So ist das. Mein Freiheitsdrang stößt mit dem Leben von anderen zusammen. Meine Freizügigkeit beschränkt das Leben anderer.

  • Shopping am Sonntag – und andere müssen für mich arbeiten. Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • „Freie Fahrt für freie Bürger“ – bis es kracht und sich dann alle scheinheilig fragen, wie das nur passieren konnte.          Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • Surfen im unbegrenzten Internet und Bilder gucken, die aus dem Leiden anderer geschaffen wurden. Klar, die Freiheit nehm ich mir.
  • Gehässige Machtspielchen: andere demütigen und schlechtmachen, damit ich selbst umso großartiger aussehe. Klar, die Freiheit nehm ich mir.

Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, was solche Freizügigkeit mit ihm selber macht? Wie es ihn gerade zu einem Sklaven deformiert, gefesselt an seine Wünsche, Triebe und an seine Boshaftigkeit?

Ich halte Jesus für den freiesten Menschen, der je auf Gottes Erde gewandert ist. Vollständig ungebunden an Menschen und Dinge. Aber total verbunden mit Gott. Er war so unglaublich frei, dass er sich an Menschen band, sich mit ihren Schicksalen verband.

Jesus war so frei – sich mit Leuten abzugeben, die sowas von out waren…

Jesus war so frei – Frauen ernst zu nehmen, auch wenn die Gerüchteküche deswegen bis heute brodelt.

Jesus war so frei – sich verhaften zu lassen, statt in die Freiheit zu fliehen

Jesus war so frei  – sich bespucken und demütigen zu lassen

Jesus war so frei – den Tod auf sich zu nehmen, obwohl er hätte leben können.

Die 9-jährige Stina hat mich gefragt, was für mich Freiheit ist. Ich habe lange überlegt – und Martin Luthers Doppelsatz hat mir dabei zur Seite gestanden. Dann habe ich ihr geantwortet:
„Freiheit ist, wenn ich keine Angst mehr habe – vor niemandem und vor nichts. Frei bin ich, wenn ich von dem, was ich habe, abgeben kann, ohne das Gefühl zu haben, dass ich dabei etwas verliere. Frei bin ich, wenn ich einen Menschen annehmen kann, auch wenn er garstig zu mir ist. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit ist, wenn ich keine Freiheit brauche, um frei zu sein.“ (Nelson Mandela empfand sich in den 27 Jahren, die er im Gefängnis verbringen musste, freier als seine Richter, die ihn dorthin geschafft hatten – ebenso Paulus im Gefängnis). Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Freiheit ist auch, dass ich zu Gott kommen kann. Freiwillig. Gott will mich berühren, mich einladen, zu entdecken, wie gut es mir bei ihm gehen wird. Aber er wird mich nie dazu zwingen, ihm zu vertrauen. Doch ist es schön z.B. an jedem Morgen, für eine Viertelstunde einmal niemand anderem zu gehören als ihm, in der Stille, im Beten, im Hören.

„Freiheit ist, wenn ich weiß, dass ich nichts tun und nichts zu besitzen brauche, um etwas wert zu sein. Wenn ich weiß, dass ich ohne all das wertvoll bin. Und ich weiß das, wenn ich geliebt werde. Wer geliebt wird und das weiß, der lebt in Freiheit“.

Liebe macht sowas von frei! Das haben die Menschen bei Jesus erlebt, diese Freiheit. Das haben Menschen von Jesus bekommen, diese Freiheit. Jesus ist Gottes Liebesbeweis. Er hat sich Freiheit nicht genommen, hat sie nicht jemandem gestohlen, wie wir Menschengeschwister das immer wieder tun. Nein, Jesus besaß sie einfach, in sich drin. Er hat denen die Freiheit gegeben, die sie nicht hatten: den Kranken und den Ausgestoßenen, den Betrügern und den Besserwissern, den Kleinganoven und denen, die auf dem Strich gehen. Am Kreuz  ist er „dienstbarer Knecht“ für uns alle geworden. Das ist die größte Freiheit.

Und auf seinem Weg mit uns nimmt er uns in diese Freiheit hinein wie ein Bergführer, der den Weg kennt. Ich brauche ihm nur zu folgen.

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan!

Eine kleine Geschichte als Gleichnis zum Schluss:

Ich beobachtete die beiden Bergsteiger, die schon seit geraumer Zeit gewissenhaft und bedächtig ihre Ausrüstung überprüften. Jeder Griff saß, und ich hatte das Gefühl, dass dies für beide zwar Routine war, ihnen jedoch Freude bereitete. Sie prüften Karabiner, knoteten Seile, hängten Ausrüstungsgegenstände an ihre Gürtel und zurrten ihre Körpergurte fest – jeder für sich. Zu guter Letzt hängten sich beide ein langes, schweres Seil um, mit dem sie beide verbunden waren. „Entschuldigen Sie!“, fragte ich einen der beiden Bergsteiger: „Fühlen Sie sich frei?“ „Frei? – Wie meinen Sie das?“ „Ich meine : frei – sich ungehindert bewegen zu können. Frei – das Leben zu genießen. Frei – um schnell vorwärts zu kommen. Ich meine: Frei! Nicht gegenseitig verknotet, zusammengebunden, und eine schwere Last tragen zu müssen!“ Der eine Bergsteiger blickte den anderen an, und seine Antwort, so kam es mir vor, war die Antwort beider. „Wissen Sie“, sagte er, „ da wollen wir hinauf!“ Wir wollen einen besonderen Weg gehen, und wir möchten beide neue Horizonte sehen! Knoten, die fest sitzen, Karabiner, die halten und Gurte, die belastbar sind, haben wir uns sorgfältig gemeinsam ausgesucht. Genauso wie die Länge und das mögliche Gewicht des Seiles,mit dem wir beide in ebenem Gelände locker, aber wenn es darauf ankommt, sicher verbunden sind. Wenn Klippen zu überwinden sind, wenn Abgründe drohen, wenn wir in steiler Wand hängen. Das Seil erst lässt uns Wege gehen, die wir uns alleine nicht zutrauen würden, die wir alleine nie genießen könnten. Erst das Wissen um unsere sichere und feste Verbindung macht uns frei!“

 „Fürchte dich nicht, spricht Gott, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Wenn Gott mir einen Traum begegnen lässt …

… dann wandere ich mit IHM einen Frühlingsweg entlang;

einen schmalen Pfad längs eines sprudelnden, springenden Baches,

die knospenden Baumwipfel über uns –

und hinter und im und durch den Gesang der Vögel

das Rauschen der Gräser,

das Atmen des Windes

meine ich leise die Klänge von Beethovens „Pastorale“ zu hören.

 

Nicht, dass ich IHN sähe …

doch SEINE Gegenwart erfüllt mich

in diesem Frühlingstraum.

Wie zwei gute Freunde, in Schweigen, Betrachtung und gutem Wort

sind wir auf unserem Frühlingsweg –

und kein Zweifel und keine quälende Frage

stört unser heiteres Zusammensein,

und mein Herz ist frei und erhebt sich

wie ein junger Vogel sich in die Lüfte schwingt.

 

So träume ich von DIR, Gott …

Ein Traum nur … ?

 

Quell meiner Hoffnung:

der da mit mir wanderte auf dem Frühlingsweg,

seist tatsächlich DU,

mein göttlicher Freund!

Himmel auf Erden

 

Der Himmel

ist nicht nur das Blau und die Wolken über uns.

Wie auch die Ewigkeit nicht erst nach dem Tod, sondern schon jetzt aufleuchtet.

 

Himmel und Ewigkeit –

der Raum, wo die Liebe durch Gott ihre Vollendung erfährt.

Himmel ist dort, wo sich das ereignet.

In dir,

in mir,

in euch,

in uns.

Himmel ist hier und da mitten in unserem Leben

 

Himmel hier auf der Erde…

Unter Krankheit und Streit – auf der Erde,

unter Abschied und Verzweiflung – auf der Erde,

unter Angst und Depression – auf der Erde,

ist dennoch Gottes Himmel.

Ist Gottes Raum und Wirken.

 

Denn manchmal berührt der Himmel die Erde.

Manchmal wird unser Leben von Gottes Ewigkeit berührt.

Wo dich ein Glaubenslied tröstet,

wo ein Bild dich öffnet für die Kostbarkeit des Lebens,

wo dich im Abschied unverhofft die Hoffnung emporhebt,

wo die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern dir Frieden gibt

in dein ängstliches rastloses Leben.

Wo wir für einen Moment empfangen dürfen,

was Jesus den Leuten damals gab.

Und wir diesen Moment stark sind in uns

und fröhlich

und mutig

und beglückt

und voller Liebe zum Nächsten.

 

Weil wir in diesem Moment Gott erkannt haben.

 

Da

ist auf der Erde

mitten unter uns

der Himmel.

 

Vielleicht ist alles ganz anders …

Schon mal gestritten? So richtig hart und herzhaft?

Ganz bestimmt. Gestritten haben wahrscheinlich alle von uns schon mal – auf die eine oder andere Weise – und ganz bestimmt auch andere mit uns. Und oft wird das ganz schön giftig und verursacht schwere Verletzungen, die manchmal noch lange wehtun, sehr lange…

Das Gegenstück oder die Auflösung wäre dann wohl der Frieden. Klingt richtig gut, dieses Wort: Frieden. Ich meine allerdings nicht den Frieden, der mit  lauwarmer Freude und dem berühmten Eierkuchen einhergehen soll: Friede, Freude, Eierkuchen. Wo das höchst löchrige Mäntelchen der Liebe über einen Streit gelegt wird, und da drunter brodelt es dann doch mächtig weiter. So kriegt man jedenfalls keinen Frieden.

Streiten ist nicht von vornherein schlecht. Warum aber gelingt das Streiten so selten? Ich bin sicher, wir wissen es, erinnere uns aber trotzdem daran.

  1. Wir nehmen eine andere Meinung als unsere oft persönlich, also wie eine Beleidigung oder wie einen tätlichen Angriff auf uns
  2. Wir wollen um jeden Preis Recht bekommen, denn wenn nicht, ist das wie ein verlorenes Spiel, und wir konnten noch nie gut verlieren
  3. Wenn wir nicht Recht bekommen, haben wir also in unseren Augen verloren und sind dann nachtragend wie ein Elefant und warten auf die nächste Gelegenheit, uns zu „revanchieren“

Nicht wahr, so ist es doch? Und immer geht es dabei um die verdammte Macht! Sie zu erringen, sie zu behalten, sie zu verteidigen um jeden Preis. Ist es nicht so?
Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich gehöre auch dazu. Ab und zu hat man auch als Pastor Streit mit dem einen oder anderen Gemeindeglied. Da denkt man zunächst gar nicht so liebevoll und seelsorglich, wie das eigentlich von einem Pastor erwartet werden kann. Sondern ist richtig sauer, schlimmstenfalls auch streitsüchtig.

Also, was tun?

Auf meinen Bildschirmschoner, der in Arbeitspausen über meinen Monitor läuft, habe ich geschrieben – als eine Mahnung an mich selbst für alle meine Begegnungen und Gespräche, denn auch ich neige dazu, Menschen in Schubladen zu stecken –  ich habe darauf den Satz geschrieben: “Vielleicht ist alles ganz anders…“

Wäre das nicht eine sinnvolle Überlegung bei einem Streit, wenn wir einmal – quasi – den Topf vom Herd nähmen, bevor er ganz und gar überkocht, einmal – Stopp! – alle Gefühle anhielten und uns fragten: Ist vielleicht alles ganz anders? Ist der da vor mir wirklich so, wie ich ihn sehe? Was für ein Mensch steckt in dem streitbaren Gegenüber, das mir regelmäßig wahnsinnig auf die Nerven geht? Was quält ihn vielleicht, was plagt ihn, wovor hat er Angst, dass ich ihn immer so streitsüchtig erlebe? Liegt’s vielleicht auch an mir??

“Vielleicht ist alles ganz anders…“  Daran zu denken, wäre eine Idee für den nächsten Streit…

Wie bin ich auf diesen Gedanken gekommen? Die Menschen, um die wir uns in der Diakonie kümmern, haben mich darauf gebracht. Nicht weil sie so streitsüchtig wären, nein. Aber wir alle wissen ja aus unserer Arbeit: da ist auch vieles ganz anders als es aussieht:
In einem gebrochenen Körper kann ein frischer Geist sein, in einem kranken Leib eine lebendige Seele, und ein Sterbender kann mich viel über das Leben lehren, ohne ein einziges Wort zu sagen. “Vielleicht ist alles ganz anders…“

Es würde zu Gott passen, wenn er uns diese Weisheit gerade auf dem Umweg über die Schwachen und Schwächsten sagen würde.

Und wir beim nächsten Zoff – mit wem auch immer – plötzlich einen unserer Patienten vor Augen hätten, dann den Streithahn anblickten und dächten: Halt – “Vielleicht ist alles ganz anders…“.

Was willst du werden?

„Wir waren gerade konfirmiert“

erzählte die Presbyterin nach unserer Besprechung. „Auf unserem Nachhauseweg sprachen wir Mädchen über unsere Zukunftspläne – was wir einmal werden wollten. Ich sprach von meinem Wunsch, Journalistin zu werden, dabei vielleicht in der Welt herum zu kommen. Andere wollten gerne in ihrem Beruf Karriere machen. Wieder andere Mädchen wünschten sich, einem wohlhabenden Mann zu begegnen und so ein finanziell sorgenfreies Leben zu führen.

Da sagte eine von uns: ‚Ich möchte ein guter Mensch werden‘.

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Ich weiß noch, wie beschämt ich war, als ich sie das sagen hörte. Da waren wir gerade konfirmiert, also sozusagen als Christenmenschen vereidigt worden – und am Ende ging es uns doch nur wieder um uns selber. Und dieses Mädchen aus unserer Gruppe sagte ‚Ich möchte ein guter Mensch werden'“!

Ich weiß nicht, ob sich meine Presbyterin die Worte ihrer Mitkonfirmandin so zu Herzen genommen hat oder ob sie schon vorher so „gestrickt“ war – für mich ist sie jedenfalls ein von Grund auf herzensguter Mensch.  Und tut vielen Menschen gut.

‚Ich möchte ein guter Mensch werden‘ –  es gibt wahrhaftig schlechtere Lebensziele.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de